Rezept: Bosnische Bohnensuppe – Grah

In ganz Berlin finde ich keine Bohnensuppe, die so schmeckt, wie die meiner Mutter. Ein „Recept za grah“ musste her. Für alle, die das Rezept für „Grah“ haben wollen: Here you go.

Zutaten:

  • Bohnen – wenn trocken, dann über Nacht in Wasser einlegen. Die aus der Dose gehen auch.
  • Speck oder Rippchen
  • Paprikapulver
  • 2 Esslöffel Mehl
  • 2 Esslöffel Öl

Schritt 1: Bohnen waschen und in einen Topf geben. So viel Wasser zugeben, dass die Bohnen bedeckt sind. Fleisch in die Bohnen legen.

Schritt 2: Das Ganze auf mittlerer Hitze aufkochen lassen. Wasser zugeben, wenn zu viel verdampft (die Bohnen sichtbar werden.

Schritt 3: Wenn die Bohnen weich sind, Öl in einer Pfanne erhitzen.

Schritt 4: Das Mehl und das Paprikapulver dazu geben und mit einem Schneebesen glattrühren. Zwei Suppenkellen von der Bohnensuppe dazu geben und das ganze ein paar Minuten köcheln lassen.

Schritt 5: Das Mehl-Öl-Paprikagemisch zur Suppe geben. Abschmecken.

Schritt 6: Fertig. Foto machen und an Mama schicken.

 

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Heul doch (nicht): Wie ich vermeide, einfach loszuweinen

Tief durchatmen, an etwas Schönes denken, bis zehn zählen: Es gibt zahlreiche Tipps, wie man seine Wut unterdrücken kann. Aber was ist, wenn einen die Gefühle nicht toben, sondern heulen lassen? Ich habe über die Nähe zum Wasser, die Toilette als neuen Place to Be und Ugly-Crys à la Kim Kardashian geschrieben.
Nur Arschlöcher tragen in Gebäuden Sonnenbrillen. Arschlöcher und ich.
Obwohl ich der Meinung bin, dass jeder verwegener aussieht, wenn er eine Sonnenbrille auf hat, ist es nicht mein Bedürfnis, meinen Coolness-Faktor zu steigern, das mich dazu bringt, mir immer mal wieder die Sonnenbrille in Fahrstühlen, auf Rolltreppen oder der U-Bahn aufzusetzen. Es ist meine Unfähigkeit, Dinge nicht an mich heranzulassen, Bemerkungen nicht persönlich zu nehmen und vor allem die Tatsache, dass ich mit steigendem Alter immer näher ans Wasser zu kommen scheine.
Ich will nicht lügen, auch an meinen besten Tagen ist in meinem Kopf eher Gotham City statt Teletubby-Land angesagt, aber sogar in Batmans Heimat herrscht so etwas wie eine fragile Ordnung. Die ist aber hinüber, sobald jemand etwas sagt, was ich als gemein empfinde.
Was genau „gemein“ ist, hängt von einigen Faktoren ab. Okay, ich gebe es zu: Es hängt zu einem nicht zu vernachlässigbaren Teil davon ab, ob ich gerade gegessen habe oder nicht. Man munkelt nämlich, dass das Kofferwort „Hangry“ (aus Hungry und Angry) entstanden ist, als ich mal vergessen hatte, dass Montag ein Feiertag ist und ein verlängertes Wochenende hungrig, aber auch schnaubend und wütend auf dem Boden verbracht habe.
Aber sogar wohlgenährt habe ich Probleme damit, mich von Kritik oder schlimmstenfalls Beleidigungen abzugrenzen. Ein Feedbackgespräch mit meinen Vorgesetzten oder ein betrunkener Pöbler in der U-Bahn: In beiden Fällen kann es passieren, dass ich nicht super cool über den Dingen stehe, sondern plötzlich mittendrin bin im Meer meiner Gefühle.
Ich kann dann nicht klar denken, sondern bin so versunken in dem Gespräch, das stattgefunden hat und in möglichen, schlagfertigen Erwiderungen meinerseits, die aber nicht stattgefunden haben. An guten Tagen kann ich mein Brüten und Wüten herunterschlucken und verstecken und niemand merkt etwas.
An schlechten Tagen bahnt sich aber mein Gefühlsmeer einen Weg nach draußen. Es beginnt mit einem Ziegelstein in meinem Magen, der heiß und kalt gleichzeitig ist und mir buchstäblich Magenschmerzen bereitet. Dann wird es ein dicker Knoten in meinem Hals, der das Schlucken schwer und meine Stimme kehlig macht. Dann sind es nasse Augen. Und wenn ich nicht aufpasse, heule ich einfach los. Und ich rede hier nicht von süßen Tränen, sondern von hässlichem, lautem, rotzigem Heulen, das mich schüttelt und erst aufhört, wenn keine Tränen mehr da sind.
Ich muss wohl nicht dazu sagen, dass in der Arbeit zu heulen für mich etwa so wäre, wie dort nackt aufzutauchen. Und auch in meinem privaten Umfeld will ich es vermeiden, Menschen eine so rohe und unbeherrschte Version von mir zu zeigen. Also habe ich kleine Strategien entwickelt, wie ich nicht einfach losheule.

  • Die Toilette ist der Place to Be
    Ich versuche nicht auf Toilette zu heulen, weil es 1. ein ziemliches Klischee wäre und 2. man die roten Augen nach dem Weinen nicht ständig mit „Allergien“ erklären kann. Was man aber auf dem WC machen kann, sind Kniebeugen. Keine Ahnung, wann ich damit angefangen habe und keine Ahnung, warum ich es getan habe. Aber es lenkt meinen Kopf und Körper ab, wenn ich zehn Kniebeugen mache. Das Bedürfnis zu weinen wird etwas weniger und ich bin wieder halbwegs gesellschaftsfähig.
  • Suche dir Verbündete
    Ich spreche mit netten Menschen. Das können Kollegen im Büro nebenan sein. Das kann eine Nachricht an eine Freundin sein. Das kann – und wird es wohl hoffentlich ziemlich lange noch – ein Anruf bei meiner Mama sein. Einfach nur kurz erzählen und sagen, was so verflucht beschissen ist und was einen aufregt. Die guten Menschen haben Ratschläge. Die besten hören zu und sagen an den richtigen Stellen „riesiges Arschloch“ und „diese miese Kuh!“.
  • Aufschauen
    Wenn ich unter Menschen bin und nicht rauskomme – nicht mal auf die Toilette – dann schaue ich nach oben und blinzle. Ein Coach in einem Weiterbildungsseminar hatte diesen Tipp und bei mir hat es bisher ganz gut funktioniert.
  • Lass es raus
    Im Normallfall ist das Gefühlsmeer erst dann zu hoch – man merkt, die Wasser-Metaphern versiegen hier nicht – wenn ich eigentlich durchatmen könnte. Wenn ich also der Diskussion, der Kritik oder den Pöbeleien entfliehen könnte und theoretisch nichts mehr zu befürchten hätte. Im Idealfall bin ich dann zu Hause und werde zu einem heulenden Haufen Elend. Im weniger idealen Fall bin ich auf dem Weg nach Hause und dann heißt es abwägen: Ugly-Cry à la Kim Kardashian oder Sonnenbrille in geschlossenen Räumen à la Paris Hilton.

Man könnte natürlich diskutieren, warum ich meine Angegriffenheit überhaupt verstecke. Warum ich meinen Tränen nicht freien Lauf lasse und die Sachen ausdiskutiere. Aber mal angenommen, ich würde auf Kritik wie etwa „Dein Text ist nicht gut geschrieben“ tränenüberströmt mit Argumenten antworten, warum das nicht stimmt. Was würde wohl von dieser Diskussion bleiben? Dass ich recht habe? Oder dass ich geheult habe?
Ich hoffe, dass ich gelassener werde. Dass ich Kritik weniger persönlich und mehr als sachdienlichen Hinweis nehmen kann, wie ich besser werden kann. Dass ich plumpe Beleidigungen an mir abprallen lassen kann.
Aber ein ganz klein wenig hoffe ich auch, dass es irgendwann keine Peinlichkeit mehr ist, wenn man doch mal weint. Spannenderweise habe ich nämlich viele Vorgesetzte brüllen, mit Türen knallen und untergriffig argumentieren sehen. Deshalb ist aber niemandes Karriere in Frage gestellt oder deren Argumentationsbasis auch nur leicht erschüttert worden. Ein paar Tränen an der falschen Stelle haben aber sehr wohl zu Tuscheleien, Zweifel an Qualifikationen und Gesprächen über mangelnde Professionalität geführt.

Warum ich mich nicht um meine Mutter sorge (und sie trotzdem liebe)

Als ich darüber geschrieben habe, dass ich Angst um meinen Vater habe, kam die Frage auf: „Hast du denn keine Angst um deine Mutter?“. Beim ersten Mal war ich zu perplex für eine gesellschaftlich akzeptable Antwort und habe „Nein, wieso?“ geantwortet. Das klingt so, als würde ich meine Mutter weniger lieben als meinen Vater. Dabei liebe ich meine Mutter, wie ich mich selbst liebe: Immer, aber manchmal zeige ich es schlecht.

Denn ich habe aus demselben Grund keine Angst um meine Mutter, aus dem ich keinen Helm beim Fahrradfahren trage, mal schnell beim schlimmsten Rush-Hour-Verkehr über eine mehrspurige Straße laufe oder generell manchmal Dinge tue, die ich bei anderen Menschen als leichtsinnig bezeichnen würde: weil ich mich selbst nie so ganz in Gefahr sehe.

Keine Sorge, meine Mutter und ich haben kein seltsames, krankhaft enges Verhältnis wie die Gilmore Girls und sind quasi „derselbe Mensch“. Wir sind unabhängige Personen: Wir sind unterschiedlich aufgewachsen, haben verschiedene Berufswege gewählt. Meine Mutter hatte in meinem Alter ein Kind und das zweite war unterwegs. Ich habe eine wirklich beeindruckende Keksdose, die aussieht wie eine Katze.

Dennoch gibt es Gemeinsamkeiten.

Es sind Oberflächlichkeiten. Wir sehen uns ähnlich. Von den störrischen Haaren zu den großen Füßen. Dazwischen Gesichter, die Emotionen nicht mal im Dunkeln verstecken könnten und ein Mund, der selbst dann nicht das Besserwissen lassen könnte, wenn man ihn zunähte.

Es sind auch aber auch tiefliegende Dinge. Dass unsere Grundeinstellung „kritisch“ oder gar „unzufrieden“ zu sein scheint, vor allem, wenn es darum geht, was wir machen und erschaffen. Meine Mutter ist nicht in zweitem Berufsweg Sozialpädagogin geworden, weil sie leicht zufriedenzustellen ist. Pure Verbissenheit und Ehrgeiz prägen ihren (Karriere-)Weg und prägen mich.

Das klingt negativ. Und ich muss gestehen, dass ich mir besonders oft in Streitsituationen, in denen ich überreagiere, denke: Verflucht, ich bin wie meine Mutter. Aber – und das ist ein großes Aber – ich denke nicht nur an meine Mutter, wenn ich wütend bin oder mich mal wieder zu leidenschaftlich in eine Diskussion gestürzt habe.
Wenn ich die schönsten Frauen nennen soll, die mir einfallen, werden es immer dunkelhaarige Frauen mit großen Augen und hohen Wangenknochen sein, die ein wenig ernst, ein wenig streng aussehen.

Wenn ich weine, weil Okja der traurigste Film seit langem ist, oder weil meine Schwestern einen großartigen Witz gemacht haben, dann bin ich dankbar dafür, dass meine Mutter mir nie beigebracht hat – durch Worte oder ihr Verhalten – dass Gefühle einen schwach machen.

Wenn ich Probleme habe, weil ich auf richtig große Fragen keine Antwort habe, frage ich meine Mutter um Rat. Sie sagt immer vernünftige Sachen. Dass sie sich ein (oder eine Million) „Ich hab es doch gesagt“ nicht verkneifen kann, falls ich es doch anders mache und scheitere, ist ein annehmbarer Preis.

Wenn ich morgen eine Million Euro gewinnen würde, wäre der erste Mensch, den ich anriefe, meine Mutter. Denn nur, wenn sie es weiß, nur wenn sie es bestätigt, ist es wahr. Sie ist der Prüfstein meiner Realität, nicht trotz ihres Kritischseins, sondern gerade deshalb.

Bei den Gilmore Girls wäre das der Moment, wo ich zu kitschiger La-la-la-la-Musik sagen würde: „Danke Mama, dass du immer mein Vorbild bist“. Aber so einfach ist es nicht. Meine Mutter ist nicht mein Vorbild. Nicht, weil sie ein schlechter Mensch wäre, sondern weil sie menschlich ist.

Was meine Mutter aber ist, ist mein Leitstern. Ich muss ihr nicht folgen. Aber sie ist mein steter Orientierungspunkt und ohne sie wäre mein Leben schrecklich dunkel.

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Für Refinery29 habe ich eine Reihe von Beiträgen geschrieben.

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